"Briefe aus dem Sturm"
Wiebke Tillenburg (Hrsg.) , Magret Kindermann (Hrsg.)

Inhalt:

"Das Haus der verlorenen Zeit" - Nicole Neubauer

Nicole Neubauer führt uns zusammen mit Greta & Sam in ein Lost Place, ein besonderes haus, in dem ein Brief wartet.

"Kälteschlaf" - Esther Wagner

Esther Wagner erzählt über eine Astrophysikerin in der Einsamkeit des Weltalls, die Briefe schreibt, die nie ankommen.

"Von Möbeln und Marotten" - Wiebke Tillenburg

Ein Fotoalbum und ein Brief lassen Lea ihre Vergangenheit, die sie lange Zeit verdrängt hat, wieder erleben.

"Meine Wahrheit"  - Kia Kahawa

Kia Kahawa lässt ihre Protagonistin Ira Briefe in melancholischer Trauer schreiben.

"Moleküle der Wolken" - Magret Kindermann

Markus liebt Steine, Felsen, Berge und er hat eine besondere Gabe. Durch eine Serviette lernt er Dana kennen. Doch die Liebe weilt nicht lange. Ein seltsamer Obdachloser nimmt sich der Sache an und mit zwei Worten beginnt ein Briefdialog der besonderen Art zwischen Markus und Dana.

"Von Türmen und Nächten" - Wolfgang Lamar

Erich Wolter lebt in seiner eigenen, kontrollieren Welt. Er hat Türme aus Briefen und Joghurteimern. Da erhält er einen grünen Briefumschlag - und eine neue Nachbarin: Frau Wirbelwind.

"/paperporn" - M.D. Grand

Eine Ode an ein Briefpapier.

"Der Ohrring" - June Is

Iris wird Opfer eines Banküberfalls, und ihrem Ex-Mann Sepp schwebt ein Umschlag aus einem fahrenden Zug vor die Füße. Und genau dieser Zug verunglückt kurz darauf.  Auf dem Umschlag steht Iris Renner. In ihm befindet sich ein Brief und ein Ohrring.

"Abgesang" - Vanessa Glau

Lena steigt zur Burg hinauf um den Reisig und Schwefelhölzer zu verkaufen. Ihr fällt ein junger Prinz auf, der Flöte spielt.

Dann bekommt sie einen Brief und eine Einladung von Prinz Tiberius. Er spielt für sie auf einem Clavichord, und Lena erfährt das Geheimnis der Burg.

"Das Kandldirndl" - Alexander Greiner

Ein alter Mann macht eine besondere Bahnreise und hält ein Brief in den Tiefen seines Mantels verborgen, der 30 Jahre bei der Post verschollen war.

"Ein Katzenmittwoch" - Denny Sachs

Denny Sachs erzählt uns eine Geschichte über den Kater Graf Koks und bittet uns unständig NICHT weiter zu lesen.

"Regenwelten" - Wiebke Tillenburg

Ihre Finger halten den zerknitterten Briefbogen und jeder Regentropfen beinhaltet Erlebnisse und Personen aus der Vergangenheit. Und ganz besonders von der Briefeschreiberin und der Empfängerin.

"Das Sonnenzimmer" - Magret Kindermann

Magret Kindermann nimmt uns mit in ein Hospiz. Dort wartet eine Autorin auf ihren Sohn. Dieser übergibt ihr eine Schachtel mit Briefen. Gemeinsam stöbern sie in der Vergangenheit.

Etwas ganz besonders sind die Briefe des jungen Ich an das ältere Ich.

"Am Ende" - Jessica Iser

Ein Mann sitzt im Auto, ein gelesener, zerknitterter Brief neben ihm von einer Unbekannten überreicht.

"Alle Farben Grau" - M.D. Grand

Eine alte Frau wartet sehnsüchtig auf einen Brief und ihr "Sohn" fällt eine Entscheidung.

"Ein alter Baum" - Julia von Rein-Hrubesch

Martha und Johann sind aufs Land gezogen. Ein altes Rohr in der Wand macht sie stutzig und Johann verschließt es - nicht ohne eine Nachricht in dem Rohr zu verstecken - wie in einem Wunschbrunnen.

Persönliche Meinung:

Was für eine tolle Anthologie. So unterschiedliche Geschichten, Ansichten, Eindrücke, und alle haben sie eines gemeinsam: Briefe. 

Der Leser findet sich zwischen alten Häusern, alten Zeilen und dem Weltall wieder.

Jede Geschichte lässt einen bewegt zurück. Schicksale und vergangene Leben der Protagonisten zeugen von einer Welt, die so viel zu bieten hat. Und ja - auch Happy Ends kommen darin vor. Man glaubt es kaum in der heutigen Zeit.

Alle Autor*innen haben etwas besonderes geschafft: Sie haben auf unterschiedlichster Weise eine Saite bei mir zum Klingen gebracht. Vielen Dank dafür.

Eine kleine Anekdote am Rande: Ich habe ein Teil des Buches bei einer Bahnfahrt gelesen. Habe ich die Bahnfahrt des alten Mannes, die uns Alexander Greiner erzählt, wunderbar miterleben können - wollte ich diese bei der Geschichte von June Is natürlich nicht erleben.

Es ist echt gruselig eine Geschichte über ein Zugunglück zu lesen, wenn man in einem solchen sitzt.

Und die anderen beiden Anthologien liegen auch schon auf dem elektronischen SuB.

Ich kann jedem nur raten, diese stimmigen Kurzgeschichten zu lesen. Fein Fein.


2018 von Magret Kindermann (Hrsg.) / Wiebke Tillenburg (Hrsg.)